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Rosengedichte

Platen, August Graf von (1796-1835)

Die beiden Rosen

Die Hagerose
Wie ich die buhlerische Schwester höhne,
Die hier sich neben meiner Hecke brüstet!
Sie dankt sich selbst dem Witz der Menschensöhne,
Indes Natur allein mich ausgerüstet.
Nun blüht sie voll und üppig zwar, die schöne,
Doch bald im Herbste steht sie da verwüstet,
Ein leerer Stengel, und sie selbst verschwunden,
Wenn süße Frucht noch wird bei mir gefunden.

Die gefüllte Rose
Ich prang im Beet mit tausend goldnen Scheiben,
Was schiltst du? Bleib an deinem dorn'gen Hage!
Mich, die die Erde läßt im Safte treiben,
Mich, die der Wind umneckt mit leiser Klage,
Ja mich, von welcher alle Dichter schreiben,
Daß ich ein Meer von Duft im Herzen trage,
Mich höhnst du, die so viel vermag zu gelten,
Und unnatürlich wagst du mich zu schelten?

Die Hagerose
Blick um dich her im Garten, im Gefilde!
Es blüht der Pfirsichbaum, doch nicht vergebens,
Die Rebe würzt mit Wohlgeruch, die milde,
Doch sie verleiht auch ew'gen Trank des Lebens;
Das Tier der Flur, das zahme wie das wilde,
Genießet keines flüchtigen Bestrebens:
Erneutes Wesen quillt aus ihrem Triebe,
Doch ohne Frucht ist deine böse Liebe.

Die gefüllte Rose
Dir zwar verdank ich all mein Sein auf Erden,
Und mir verdankt kein andres Sein das seine,
Mir gönnt Natur, auch nutzlos froh zu werden,
Den Kreis zu schließen, den sie zog, die Reine:
Ruft nicht ein Bildner menschliche Gebärden
Verklärt hervor aus einem bloßen Steine?
Bewundrung muß sich den Gestalten beugen,
Die nichts, weil sie vollendet sind, erzeugen.

Die Hagerose
Du rühmst mit Recht die Kunst, o schnöde Schwester!
Du rufst sie an, du hast ihr viel zu danken:
Sie knüpfte dich an ihre Stäbe fester,
Du würdest ratlos sonst im Beete schwanken.
Ich trag im Laube wilde Vogelnester,
Um öde Felsen schling ich meine Ranken,
Wer dort mich findet, wird ans Herz mich drücken,
Du wirst im Garten wenige beglücken.

Die gefüllte Rose
Mich aber wird zu preisen nie vergessen,
Wem Sinn für das Vollkommene gegeben,
Man wird aus mir das feinste Wasser pressen,
Man wird aus mir die schönsten Kränze weben:
Die Götter selbst, ich darf mich rühmen dessen,
Die Götter führen ein unsterblich Leben
In dieser Blätter duftigem Gewimmel,
In meiner Knospe schläft der ganze Himmel.


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